Irgendwie kam die Meldung daher, wie der tägliche Wetterbericht. Bei Colorado Springs in der Nähe einer Klinik von Planned Parenthood (PPFA), einer Non-Profitorganisation, die ihn ihren mehreren hundert Kliniken in den USA auch Schwangerschaftsabbrüche durchführt, wurden drei Menschen ermordet und etliche andere verletzt. Schwer zu sagen, ob sich die Motive des 57-jährigen Mörders, Robert Lewis Dear, letztlich nur auf seine unverhohlene Abscheu vor der Abtreibung gründen. (1) „Turn to JESUS or burn in hell“ (2) hatte der vor 25 Jahren wegen seines gesetzwidrigen Zur-Schau-Tragens von Messern und geladenen Waffen in der Öffentlichkeit schon mal festgenommene Täter in einem Internetforum geschrieben. Vieles deutet jedenfalls darauf hin, dass Dear den Schauplatz des Colorado-Springs-Planned-Parenthood-Shootings bewusst gewählt hat, zumal er offenbar schon früher einmal eine Klinik der Organisation ins Visier genommen hatte. (3) Nach Recherchen der „Gray Lady“ aus New York war Dear darüber hinaus in seinem Umfeld als radikaler Abtreibungsgegner bekannt und zeigte nicht nur Sympathien für alle jene, die Personen und Einrichtungen angriffen, die Schwangerschaftsabbrüche vornahmen. Mehr noch: Die Art und Weise, wie er solche Angriffe als das Werk Gottes hinstellte und die Mitglieder des terroristischen Anti-Abtreibungsnetzwerks Army of God als Heroes glorifizierte (4), zeigt, dass sich seine Mordtat in die große Zahl krimineller Straftaten gegen Personen und Einrichtungen einreihen lässt, die Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen befürworten oder vornehmen. (5)

Die Bluttat des religiösen Fanatikers Dear, der sich selbst als „Warrior for the babies“ (6) bezeichnete, wurde in der deutschen Öffentlichkeit, in der die Diskussion um die Abtreibung seit der letzten Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Schwangerschaftsabbruch im Jahr 2010 deutlich abgeebbt ist, mehr in den Kontext der allgemeinen Entrüstung über Shootings und Waffengesetzgebung in den USA gestellt. Das liegt wohl daran, dass die Deutschen einen besonders ausgeprägten Hang zum Mitleiden zeigen, wenn das Gute gegen das Böse den Kürzeren zieht oder, wenn, wie in diesem Fall, demokratische US-Präsidenten immer und immer wieder daran scheitern, gegen die Waffenlobby, die Republikaner und den waffenstarrenden American Way of Life eine Verschärfung der Waffengesetze durchzusetzen.

So wundert es auch nicht, wenn die Tränen, die Barack Obama vergoss (7), als er zuletzt seine eigenmächtig-präsidialen Verschärfungen der Waffengesetze im Weißen Haus ankündigte, auch hierzulande die Aufmerksamkeit auf das Waffenarsenal dieser bis zu den (Milch-)Zähnen bewaffneten Nation lenkten, wo viele bis heute meinen, man könne sich gegen das Böse wie einst Wild Big Hickock (1837-1876) im Gunfight, allerdings mit modernen Pumpguns im Anschlag oder mit den sogenannten Kurzwaffen (concealed handguns) unterm T-Shirt verteidigen, die weit über 11 Millionen erwachsene Amerikaner vom Walmart bis nach Disneyland verdeckt herumtragen dürfen. (8) Für den Rest der Welt unvorstellbar: Auf 100 Bürger kommen fast 90 Schusswaffen in Privatbesitz, in fast jedem zweiten Haushalt gibt es mindestens eine Schusswaffe, statistisch gesehen hat nur etwa jeder Zehnte keine Schusswaffe und manche sagen, davon gäbe es in den USA inzwischen 310 Millionen, jeden einzelnen Tag werden knapp dreihundert Menschen durch Schusswaffen verletzt oder getötet, 30.000 lassen pro Jahr durch sie aus Versehen oder bei Schießereien ihr Leben, 11.000 davon durch Totschlag und Mord, zwei Drittel Suizide, allein 2015 ballerten mindestens 265 Kinder und Jugendliche aus Versehen auf andere oder trafen sich … und Massenschießereien, sogenannte Shootings mit mehr als vier Opfern (einschließlich der Täter) gab es 2015 so gut wie jeden Tag …(9) Wer dieses Fass aufmacht – Michael Moore hat uns davon mit Bowling for Colombine einen Einblick gegeben -, hat keine Angst mehr vor der Büchse der Pandora.
erspektivenwechsel: Natürlich hat auch dies alles für die Morde Dears eine Rolle gespielt. Wenn es aber nur in diesen Kontext gestellt wird, kann es auch von anderen, mindestens genau so wichtigen Aspekten ablenken. Und nicht nur das: Die Kritik am Waffenwahnsinn in den USA – wie kann man schreiben, die Menschen dort seien bloß in Waffen „vernarrt“? (10) – leistet dann unter Umständen auch einer Deutung des Colorado-Springs-Planned-Parenthood-Shootings und ähnlicher Vorkommnisse Vorschub, alles mit dem Waffenwahn von Joe und Bill oder Jane und Jill (average Joe and plain Jane) oder irgendwelchen Hillbillies und ihren Hintermännern in der National Rifle Association, dem mächtigsten Interessenverband der USA, zu erklären. Viel zu einfach das Ganze, das wissen die Deutschen aus eigener leidvoller Erfahrung. Monokausale, einfache Erklärungsmuster (ganz unmathematisch, nur verdeutlichend: Shooting=Waffendichte, Amoklauf=Ego Shooter) bringen nichts. Die Massenschießerei von Colorado Springs ist und bleibt ein Angriff auf Pro Choice und alle Menschen und Institutionen, die in den USA für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch eintreten.

Mehrfacher Schauplatzwechsel: Selbstverständlich scheiden sich, selbst wenn die Gräben derzeit zugeschüttet scheinen, beim Thema Schwangerschaftsabbruch auch hierzulande weiterhin die Geister, und das oft vollkommen unversöhnlich. Die Geister früherer Tage: „Mein Bauch gehört mir“ vs. „Abtreibung ist Mord“ haben sich wohl nur vorübergehend verzogen. Aber eines ist sicher: Der Ohrwurm der frühen 68er „Die Herrschaft der Schwänze hat ihre Grenze“ passt zwischen die Ohrstöpsel der iPodPadPhone-Generation nicht mehr hinein. „Weiberräte“ (alte Anti-68er-Parole: Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!)– nein, der Weiberrat des Markranstädter Carneval Clubs ist etwas ganz anderes – Weiberrat und Katholibans aller Art in Deutschland – das ist wieder eine ganz eigene Geschichte. Soviel nur: Bis heute sammeln letztere auf Facebook für die Parole Abtreibung ist Mord, für den „guten Zweck“, fleißig Likes. Trotzdem: Auch wenn es, weiter können wir den Deckel hier nicht lüften, sogar eine De-URL mit der Parole als Domain gibt, hat sich hier selbst in Zeiten hitzigster Kontroversen (noch) niemand an den barbarischen Terrorakten schießwütiger Abtreibungsgegner in den USA ein Beispiel genommen. Die drüben zum Teil aus dem Umfeld des schon Jahrzehnte bestehenden Army-of-God-Netzwerks (AOG) stammenden Warriors, einem losen Haufen selbsternannter Gotteskrieger christlich-fundamentalistischer Ausprägung, haben hier noch keine direkten Nachahmer, Gottseidank!

In den USA zählen Shootings wie das von Colorado zu terroristischen Straftaten. Man bezeichnet sie als domestic terrorism und will sie damit als „hausgemacht“ ausweisen, weil ihre Terrorakte von amerikanischen Staatsbürgern oder Personen mit einem Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Staaten ausgeführt werden. Zum Feld des Inlandsterrorismus, wie man den „hausgemachten“ Terrorismus nennen könnte, zählen dabei nicht nur Terrorakte, die radikale Abtreibungsgegner (anti-abortion-violence) durchführen, sondern auch der so genannte Eco-terrorism (Gehören eigentlich „Free-Willy“-Aktionen in Delphinarien auch dazu? ), die Aktionen der Animal Liberation Front, der Black Liberation Army, der Jewish Defense League und eben auch der Terror des Ku Klux Klan und der Army of God. Deren Gotteskrieger bekennen sich, wie jede andere Terrororganisation der Welt, offensiv zu Geiselnahmen, Brandstiftungen und Briefbomben-Attacken (vorgeblich oder tatsächlich mit Anthrax gefüllte Briefe), um ein Klima der Angst zu erzeugen und, in diesem Fall, die Befürworter von Schwangerschaftsabbrüchen (Pro-Choice-Bewegung) mit ihren Angriffen auf Leib und Leben oder ihrem Telefon-, Brief- und E-Mail Terror, mit Cybermobbing im Netz (Internet-Harassment jeder Art) und vielem anderen mehr einzuschüchtern. Und die Hassprediger dieser Christobans haben bis heute die Stirn, in einem Land, dem die freie Meinungsäußerung über alles geht, in einer – man höre und staune – Selbstverteidigungserklärung (Defense Action Statement) kundzutun, dass sie (allein) „die gerechte göttliche Sache vertreten“ und demzufolge auch das Recht beanspruchen könnten, „alle notwendigen Mittel“ einzusetzen, und zwar „einschließlich Gewalt, um das unschuldige Leben, geboren oder ungeboren, zu verteidigen.“(11) Christlich motivierte Allahu-akbar-Rufe vor dem nächsten Blutbad? Die Opfer bei Charlie Hebdo und im Pariser Bataclan und anderswo schreien auf! Kein Vergleich? Und ob, und selbst dann, wenn sich IS und Army of God kaum noch mehr spinnefeind sein könnten.

Bis heute dürfen die Gotteskrieger der Army of God, die ohne Zweifel die geistigen Anstifter des irgendwie psychopathisch wirkenden Mörders von Colorado Springs sind, auf ihrer Webseite den reuelosen und kaltblütigen Mörder des NAF-Mitglieds Dr. George Tiller, den 52-jährigen Scott Roeder, der 2010 zu einer mindestens 50 Jahre dauernden Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, ungehindert zu einem American Hero mit eigener (Gedenk-)Seite küren und ihre Anhänger dazu auffordern, diesem mit E-Mails ins Gefängnis ihre Sympathie auszudrücken, während sie zugleich den ermordeten Arzt in schonungsloser Weise weiter verhöhnen. Doch dies ist bekanntlich nur die Spitze des Eisberges. Die Nichtregierungsorganisation National Abortion Federation (NAF) verzeichnete seit Mitte der 70er-Jahre nicht nur mehr als 200 Bomben- und Brandanschläge auf Beratungsstellen und Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche oder künstliche Befruchtungen (In-Vitro-Fertilisation) vorgenommen wurden bzw. werden, sondern auch 8 Morde, die meisten davon allerdings zwischen 1974 und 1994. Insgesamt kam es in diesen 40 Jahren zu 6.948 kriminellen Gewalttaten gegen diese Einrichtungen in den Vereinigten Staaten. (12)

Inlandsterrorismus pur in genau dem Land, das nach dem furchtbaren Terroranschlag auf die Twin Towers in New York und die anderen Ziele am 11. September unter seinem bis auf die Knochen erschrockenen Präsidenten George W. Bush (US-Präsident 2001-09), den War on Terror (WoT) oder auch Global War on Terrorism (GWOT) lauthals ausgerufen und mit seinem, wie wir heute wissen, beispiellosen Pyrrhussieg über den irakischen Diktator Sadam Hussein und seinen Folgen, den Terrorismus von Al-Qaida und dem Islamischen Staat in der ganzen Welt erst so richtig groß gemacht hat; Inlandsterrorismus in einem sich selbst stets hochlobenden Land, von US-Kriminellen praktiziert, eine bittere Pille für viele dort, so weit so schlimm, aber „hausgemacht“? Domestic terrorism ein Gezücht der eigenen politischen Kultur? Das geht ans Eingemachte und vielen Amerikanern zu weit.

Wer glaubt, dass die Gotteskrieger der AOG heutzutage mit der gleichen unerbittlichen Härte bekämpft würden, wie dies so manchem vermeintlichen Taliban-Sympathisanten aus aller Welt ergangen ist, der unter völliger Missachtung von Menschenrechten und ohne ordentliches Gerichtsverfahren, einfach auf Verdacht hin, terroristische Straftaten begehen zu wollen, von den Anti-Terror-Kriegern nach Guantánamo verbracht und dort vor den Augen der Weltöffentlichkeit u. U. gefoltert wurde, verkennt, worum es geht, und wie tief religiös kaschierte Vorurteile in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelt sind.

Die Cruzification– und Trumpification der öffentlichen Meinung mit Vorurteilen hat sogar die „Post“ im Dezember 2015 veranlasst, eine Zeichnung ihres Karikaturisten Tom Toles zu drucken, die zeigt, wie Donald Trump der Statue of Liberty ein Hitlerbärtchen malt und sie damit zur Statue of Limitations umfunktioniert.
Die Trumpification spielt jedenfalls nicht nur der großen Zahl von Evangelibans und der Tea-Party-Fraktion in die Hände (Sarah Palin feiert gerade an der Seite Trumps ihre Wiederauferstehung!), sondern zielt mit ihrem zum Teil faschistoiden Populismus mitten ins Herz der amerikanischen Gesellschaft, dort sehen sie auch in Donald Trump den „Uramerikaner“, „der zwischen Hirn und Mund keinen Filter hat“(13) und gerade deshalb ankommt, weil seine Sprechblasen aus genau dem Stoff gemacht sind, den die erzkonservative Rechte gesabbert hat, aber in der Mitte inzwischen auch als „erfrischend“ goutiert wird. Und selbst die Mitbewerber bei den Republikanern haben den Braten gerochen: „Ich denke, er zapft die Wut an, die die Leute fühlen“, sagt Carly Fiorina.

Beim Thema Abtreibung eiert der Immobilien-Milliardär herum – ein Post bezeichnet ihn als „flip flopper on abortion“ (14) – und gibt sich, gemessen an der Haltung der extremen Rechten in seiner Partei, geradezu „liberal“, wenn er öffentlich verkündet, er sei schon immer „very pro-choice“ gewesen, dann aber auf Nachfragen erklärt, wie das zu verstehen ist: Schwangerschaftsabbruch in einer bestimmten Frist, aber nur dann, wenn das Leben der werdenden Mutter in Gefahr ist, nach einer Vergewaltigung oder bei Inzest.

Für den ganzen Trump-Eiertanz in der Abtreibungsfrage – keine Zeit. Aber auch das ist typisch Trumpification und jeder Autofahrer kennt die Unart: Links blinken und dann rechts abbiegen. Und taucht dann etwas weiter ein Krankenhaus von Planned Parenthood am Horizont auf, das wie die anderen Kliniken der Organisation Schwangerschaftsabbrüche im gesetzlichen Rahmen des jeweiligen Bundesstaates anbietet, dann summieren sich die dort vorgenommenen Abtreibungen vor dem inneren Auge des Betrachters schnell auf horrende Zahlen, und, wie schon gesagt, ohne Filter zwischen Hirn und Mund, bricht aus Trump wieder hervor, was er sich nach einem möglichen Wahlerfolg vorgenommen hat: Planned Parenthood, der „abortion factory“, zumindest seinem „brutal part“, wie der Ex-Showmaster von The Apprentice, Trump sagt, den Garaus zu machen. (15) Defund Planned Parenthood lautet seine Devise und, wer hätte es gedacht auch die von Ted Cruz, auf gut Deutsch, alle staatlichen Zuschüsse streichen. Dann müssen sie dichtmachen, so oder so. Eine kleine Genugtuung jedenfalls auch für Dear, dem die Todesstrafe droht.

Courageous Cruzer“ prangt von dem Bus (bei uns nennt man solche Fahrzeuge bekanntlich Guido-Mobile), mit dem ein anderer Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Ted Cruz, Sohn eines aus Kuba stammenden Predigers, in Iowa, einem der bigottischen Stammlande fundamentalistischer Evangelicals, durch die ländlich-weiße Provinz tourt, wo sich sonst wohl kein anderer Jihadist wahrscheinlich je hinverirren wird, die Angst vor dem radikalen Islamismus aber um so größer ist (Wen erinnert das nicht an Sachsen, wo die Angst vor Ausländern so groß ist, dass sich dort schon längst keiner mehr niederlässt. ). Dass Cruz fest an der Seite der Gunfighter-Fraktion steht und dem Schwangerschaftsabbruch den Kampf angesagt hat, das nur der Vollständigkeit halber.

Dort zwischen Waukon, Decorah, Cherokee und Hinterpfuideifel findet er, händchenhaltend mit seinem Ehekassiber Heidi (ihre Anhänger sehen in ihr den „Jackpot“ der ganzen Cruzcampaign) die, obwohl sie mal Vizepräsidentin von Goldman Sachs gewesen ist, die Schutzmantelmadonna aller Nur-Hausfrauen- und -Mütter gibt, dort also findet er die Gläubigen, auch mal in einem heruntergekommenen Landpub versammelt, (für einen wie „The Donald“ undenkbar!), die jeden seiner missionarischen Ausfälle auf seinem Kreuzzug gegen die „blutsaugenden Parasiten“ in Washington, den Schwächling Obama and so on, mit den gleichen ekstatischen „Amen-Amen-Amen“- Rufen bejubeln (16) wie auf einem Massen-Anti-Christ-Prophezeiungsevent von Billy Graham, dem baptistischen Erweckungsprediger.

Dass in Anbetung des Gotteskriegers Cruz dann schon mal, wie bei einem Stop an einer Pizza Ranch in Pocahontas, eine Frau in Ohnmacht fällt (17), ist, so gesehen, nicht verwunderlich  – das ist im Übrigen schon auf anderen Wallfahrten, nach Rom oder Woodstock beispielsweise oder zu den Beatles, den Göttern der heutigen Sixty+-Generation, zu den Teenie-Olympiern Take that, zum Schnulzengott Julio Iglesisias, zur Sexmachine und Godfather James Brown oder zum Pandabemaskten Rapper Carlo Waibel alias Cro vorgekommen… will eigentlich sagen: Es zeigt, in welchen bewusstlosen Sphären sich die cruzifizierten Jünger und Jüngerinnen des Predigersohnes bewegen.

Wie andere Evangelibans bei uns (ja die gibt es), die für sich reklamieren, „keine Denkverbote für das Reden über den Glauben, über das Leben, über Gott und die Welt“ (18) zu haben, himmeln sie drüben Cruz dafür an, dass er mit ihnen Himmel oder Hölle spielt, nur mit dem zugegeben gewaltigen Unterschied zum Spiel, dass künftig jeder, dann auch zwischen Laramie und Dodge City im Wilden Westen, schon bei dessen ersten Worten weiß, wo der Himmel und wo die Hölle ist. „Ich ersuche Sie zu beten, auch wenn es nur eine Minute am Tag ist“, so einer der Kernsätze von Ted Cruz auf der Courageous-Cruzer-Rally, und das Gebet, das er anstimmt, klingt wie das Horst-Wessel-Lied, das heute hierzulande, dem Himmel sei Dank, nur noch jene kennen, die im Nebel der Pegidasierung der öffentlichen Meinung irgendwo in Deutschland Jagd auf so genannte „Kinderschänder“ und Flüchtlinge  machen: „Gottvater, bitte setze dieses Erwachen fort und führe diese spirituelle Erneuerung fort. Erwecke den Leib Christi, um uns vor dem Abgrund zurückzureißen!“ (19)

Wem davon nicht schlecht wird, dem bleibt zumindest die Hoffnung, dass Deutschland, selbst wenn man hierzulande seit den Kölner Silvesterereignissen kräftig „aufrüstet“, von solchen „Warrior for the babies“ für immer verschont bleibt, und das, was die extremen Gotteskrieger von der Army of God aus dem Rückenwind der Cruzifizierung und Trumpifizierung machen, uns nicht auch noch aufgetischt wird, sondern bleibt, was es ist, domestic terrorism „Hausmacher Art“. – Amen.

Anmerkungen:
* Glossay ist ein Kunstwort, das aus den Begriffen Glosse und Essay gebildet ist. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Text zwischen Glosse, Kommentar und Essay bewusst mäandert.
1) Bei seiner ersten Vorführung vor Gericht schwieg er sich jedenfalls über seine Motive aus. vgl. Spiegel online, 1.12.2015, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/planned-parenthood-schiesserei-mutmasslichem-taeter-droht-todesstrafe-a-1065369.html, 14.01.16 Allerdings ließ er seine gegen Abtreibung und gegen die Ziele und Praktiken von Planned Parenthood gerichteten Sichtweisen erkennen und bezeichnete sich selbst als „a warrior for the babies“ –Auch Planned Parenthood zeigte sich in einer ersten Stellungnahme unmittelbar nach dem Geschehen vorsichtig: „We don’t yet know the full circumstances and motives behind this criminal action, and we don’t yet know if Planned Parenthood was in fact the target of this attack. We share the concerns of many Americans that extremists are creating a poisonous environment that feeds domestic terrorism in this country.“ (zit. n. 9NEWS COLORADO#S NEWS LEADER, http://www.9news.com/story/news/local/2015/11/27/colorado-springs-shooting/76454812/, 29.11.2015
2) Turn to JESUS or burn in hell: dt. :
3) Dies geht aus einer Aussage einer Frau gegenüber NBC hervor, die zwischen 1985 und 1993 mit Dear verheiratet gewesen ist. vgl. dort als Quelle angegeben: „Planned Parenthood Shooting Suspect Robert Dear Targeted Agency Before: Ex-Wife“. NBC News. December 1, 2015
4) vgl. Fausset, Richard „For Robert Dear, Religion and Rage before Planned Parenthood Attack“. The New York Times, (December 1, 2015) – http://www.nytimes.com/2015/12/02/us/robert-dear-planned-parenthood-shooting.html, 20.1.16
5) »National Abortion Federation (NAF):History of Violence, http://prochoice.org/education-and-advocacy/violence/violence-statistics-and-history/, http://www.nytimes.com/2010/01/30/us/30roeder.html?_r=0, 14.01.16
6) Warrior for the babies: (dt. Krieger für die Babys); zit. n. Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Colorado_Springs_Planned_Parenthood_shooting dort als Quelle angegeben: Wagner, Laura (December 9, 2015). „Accused Planned Parenthood Shooter: ‚I’m A Warrior For The Babies'“. NPR
7) Barack Obama zeigte sich immer wieder zu Tränen gerührt, wenn er zu den verschiedenen Amokläufen in einer Pressekonferenz Stellung. Sogar bei seiner Verkündung einer Verschärfung der Waffengesetze im Weißen Haus am 6.1.2016 zeigte sich der US-Präsident den Tränen nahe.
8) vgl. Fox News online July 9, 2014, http://www.foxnews.com/us/2014/07/09/murder-drops-as-concealed-carry-permits-rise-claims-study.html, 15.01.2016;
9) vgl. ZEIT ONLINE, 5.1.2016: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-01/waffen-usa-barack-obama-gesetz ,15.01.16
10) So der schon erwähnte Artikel auf ZEIT ONLINE, vgl. Anm. 20
11) The Second Defense Action Statement, http://www.armyofgod.com/defense2.html; 14.01.16 Im Original: „We the undersigned, declare the justice of taking all godly action necessary, including the use of force, to defend innocent human life (born and unborn). We proclaim that whatever force is legitimate to defend the life of a born child is legitimate to defend the life of an unborn child.“
12) vgl. History of Violence, http://prochoice.org/education-and-advocacy/violence/violence-statistics-and-history/, http://www.nytimes.com/2010/01/30/us/30roeder.html?_r=0 , 14.01.16 – NAF VIOLENCE AND DISRUPTION STATISTICS. INCIDENTS OF VIOLENCE & DISRUPTION AGAINST ABORTION PORVIDERRS, http://5aa1b2xfmfh2e2mk03kk8rsx.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/Stats_Table_2014.pdf
13) Eric T. Hansen: Super Trump – Warum Donald für uns Amis ein Held ist, in: DIE ZEIT Nr. 35/2015, 27. August 2015, http://www.zeit.de/2015/35/donald-trump-usa-wahlkampf, 16.1.16
14) vgl. Bethany Blankley, Donald Trump’s abortion muddle, LiveActionNEWS, 5.12.2015, http://liveactionnews.org/donald-trump-abortion-muddle/, 16.01.16
15) vgl. ebd.
16) vgl. Oliver Grimm, US-Präsidentenwahl: Ted Cruz, der Gotteskrieger, Die Presse.com, 16.1.2016, http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4905933/USPraesidentenwahl_Ted-Cruz-der-Gotteskrieger-?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do, 17.1.16
17) vgl. http://edition.cnn.com/2016/01/07/politics/woman-faint-ted-cruz-pocahontas/index.html, 18.01.16
18) vgl. http://www.em.k.de/methodismus/theologische-offenheit.html, 17.1.16
19) vgl. Oliver Grimm, US-Präsidentenwahl: Ted Cruz, der Gotteskrieger, Die Presse.com, 16.1.2016, http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4905933/USPraesidentenwahl_Ted-Cruz-der-Gotteskrieger-?_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do, 17.1.16

vgl. auch die Langfassung mit umfangreicheren Anmerkungen und verschiedenen Varianten zur Textpräsentation auf www.teachsam.de