Dass Namen sprechen können, hat so manchen Oberstudienrat bei der Aufzählung sprechender Namen aus der Literatur zu Namenskaskaden veranlasst, die, selbst wenn sie den Unterton entrüsteter Belehrung tunlichst vermieden, geradezu wohlgefällig mit wechselndem Tempo vorgetragen wurden, so aus dem entgegengesetzten Ohr der Zuhörer wieder hinausfluteten, wie sie hereingekommen waren: Der Wurm natürlich in, wer weiß es, ja Almuth stimmt, in Schillers Kabale und Liebe, Gottlieb Biedermann in Biedermann und die Brandstifter, habt ihr bestimmt in der Neunten gelesen, nein, dann eben Walter Faber, die Titelfigur in Max Frischs epochemachendem Roman, lesen wir noch, meinetwegen dann halt Gulliver, besser noch der Klöterjahn in Thomas Manns Tristan, wenn ihr wisst, was ich damit meine, natürlich auch der Peter Schlemihl, dieser Schlawiner von Adalbert von Chamisso, geradezu klassisch – Andreas und Clemens, das sollten vielleicht auch Sie wenigstens mal gehört haben – auch Else Schweigestill, die in Thomas Manns Doktor Faustus nie ihren Mund zumacht, sondern immer munter drauflosredet, ja und der einfältige Simplicius im Simplicissimus von Grimmelshausen, ja Frank? Meinetwegen auch Severus Snape in Harry Potter, wie bitte, könntet ihr mal zuhören, Mike hat noch eine Frage … wer? Bart Simpson, nie gehört, Ja okay Lucky Luke, besser noch, lach lach, die Panzerknacker, was meinst du, Daniel? Detlef – ein sprechender Name? Quatsch!
Halt! Stop, kommt drauf an, könnte man einwenden. Detlef ist eben nicht gleich Detlef. Und nicht jeder Name spricht, wenn man ihn ausspricht, das Gleiche. Der Detlef, den ich meine, spricht allerdings eine deutliche Sprache, die Sprache der Homophobie und Diskriminierung von schwulen Männern. Deeetlef mit einem extraweich mit bis knapp an die Unterlippe am unteren Gaumenrand artikulierten langgestreckten D, macht den ansonsten keineswegs ungewöhnlichen Vornamen zu dem, was seine Verwender in ihren „witzigen“ Bemerkungen ausdrücken wollen: Die Verächtlichmachung von Menschen mit „anderer“ sexueller Orientierung. Und so unnatürlich wie Detlef in dieser Form klingt, so „widernatürlich“ lässt sie auch scheinen, wenn Männer etwas von Männern wollen. Da passt natürlich auch ins Bild, wenn bald zweihunderttausend Deutsche sich in einer Online-Petition gegen einen Vorstoß der baden-württembergischen Landesregierung aussprechen, Lehrerinnen und Lehrer per Bildungsplan vorzuschreiben, sich mit dem Thema sexuelle Vielfalt in ihrem Unterricht zu beschäftigen Und natürlich die Katholische Kirche dabei vorneweg. Dabei stünde gerade ihr ein „warmer Bruder“ unter der Papstkrone einmal gut zu Gesicht. Hier könnte man sich ja auch an der Politik ein Beispiel nehmen. Es müsste ja nicht unbedingt ein Papst Detlef I. sein, auch ein Papst Guido I. oder Klaus I. könnten da befreiend wirken oder den Mantel des Schweigens über Homosexualität in der Kirche selbst lüften.

Advertisements