Selbst sechs Wochen Gurkenfabrik in den Sommerferien (kleine Gurken hier, sieben große Essiggurken, mit den bloßen Händen ins Glas gedrückt, dort, für eine Mark zweiundfünzig die Stunde) waren es wert, um die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Natürlich gab es für die, sage und schreibe, 324,73 DM, welche die Gurkerei netto abwarf, kein nagelneues Revox-Tonbandgerät, aber für ein gebrauchtes Uher mit ein paar Kratzspuren, eines mit den großen Spulen natürlich, reichte es immerhin. Das war der Beginn einer neuen Zeit. In jedem Fall war so ein Uher-Tonband im eigenen Zimmer ein Versprechen auf die Zukunft. Vorbei die Tage, an denen man noch mit der Briefmarkensammlung oder vielleicht gerade noch mit einem alten Kofferradio bei den Mädchen (scharfen Mossen, wie man sie nannte) zu punkten versuchte, um sie, wenn die Eltern einmal nicht zu Hause waren (und das gab es natürlich viel zu selten), ins eigene 6qm-Zimmer zu locken, von dessen Wand Che das krampfhafte und meist erfolglose Suchen nach dem Verschluss des BH mit Argusaugen beobachten konnte. War die Mosse aber einmal in die eigenen vier Wände abgeschleppt, konnten Jimi Hendrix, Cream oder, wenn’s zum Vorspiel mal besonders psychodelic zugehen sollte, auch Amon Düül (dann kam es jedoch in bekifftem Zustand kaum mehr zum Haupt- oder Nachspiel), auf der 7-Watt-Anlage ihre Verführungskünste entfalten. Immer kam es, dazu bedurfte es nur ein Minimum wachen Verstandes (solange dieser jedenfalls die ganze Angelegenheit noch kontrollieren konnte) aber auf die physische Kopräsenz der Akteure an (ohne sie war die ganze Fummelei schließlich sinnlos) und auch die Orte des Geschehens mussten wirklich Briefmarken tauglich sein, wollte man nicht irgendwo draußen im Gebüsch enden. Die Frage „Zu dir oder zu mir?“ konnte, so selten sie direkt ausgesprochen wurde, ohne diskreten Verweis auf das Uher-Ding kaum mit Erfolg vorgebracht oder gar irgendwo hingepostet werden. Zwischen Lust und Frust taten sich freilich auch jene Abgründe nicht auf, die hinter der Frage steht, die heute jedes Arrangement auf der Hinterbühne (Allan Felix in Play it again, Sam weiß, wovon die Rede ist) mit ihrer kompromisslos klaren Nüchternheit desavouiert: Gehen wir Facebook oder zu dir?

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