In dem Moment, in dem ich Christoph Koch über seinen „Selbstversuch“, den er in seinem Bestseller „Ich bin dann mal offline“ beschrieben und der ihm bombensicher eine Menge eingebracht hat, heute auf einem Kongress reden hörte, kam mir sofort Helmut Schmidt in den Sinn, der als Bundeskanzler 1978 in der ZEIT ein Plädoyer für einen fernsehfreien Tag über das Printmedium der Akademiker absetzte. Kurz nachgegoogelt – denn ein Selbstdarsteller vom Kaliber eines Sebastian Sick (Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod), ist Koch Gottseidank nicht, (im Klartext: in „echt“ kam er eher etwas spröde und langweilig rüber), schon war ich fündig geworden. In seiner Regierungserklärung, schrieb Schmidt damals, habe er am Ende davon gesprochen, unserer Gesellschaft fehle Fröhlichkeit und eine gelassene Zuversicht gegenüber vielen Problemen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“ Was ihm freilich Sorge bereitet hat, waren Untersuchungsergebnisse, die besagten: Viele Bürger empfinden ein „Defizit an Kommunikation“. So denn auch sein Eindruck, dass übertriebener Fernsehkonsum (…) vielfach den unmittelbaren Umgang der Menschen miteinander zurück(drängt). Ist der Fernseher mal eine Woche aus, so seine Hoffnung, werde man nach anfänglichen Schwierigkeiten, Entzugserscheinungen auf gut Deutsch, sehr bald auch positive Erfahrungen machen: mit mehr Gespräch, mit mehr Kreativität, mit mehr Umgang mit den eigenen Kindern, mit Freunden und Nachbarn. Christoph Koch hat mit seinem Offline-Versuch, einen Leidensweg, den er seiner Leserschar als Jakobsweg zur Läuterung des vom Online-Leben schwer beschädigten Selbst verkaufen will (es lohnt sich eben schon mal einen Bestsellertitel wenigstens ein Stück weit abzukupfern), einen hübschen Alltagsratgeber für die Facebook-Generation verfasst. Gratulation, zum erfolgreichen Startup! Die kleine Fibel für Nerds zeigt, wie Koch die Sache, fast moderne Schmidt-Schnauze, sieht: Dienst ist DienstUnd Schnaps ist Schnaps: Ich bin dann mal offline, also bin ich – wirklich?

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