Eigentlich war es längst überfällig: Den Mut und die Leidenschaft aufbringen, einmal einfach niederzuschreiben, was man denkt.
Klingt einfach, ist es aber nicht.
Soll ja schließlich auch nicht heißen, dass ich der Ursprung dessen sein kann, was ich denke. Was ich denke, ist nur ein innerer Dialog mit den anderen, bezieht sich stets auf diesen und verwendet, was diese in mein Denken eingebracht haben.

Mein eigenes Denken ist nur vordergründig ein Diskurs mit mir selbst. Vielmehr steht es in Beziehung zu allen Diskursen, an denen ich in meinem bisherigen Leben bewusst oder auch nur unbewusst teilgenommen habe. Herausgekommen ist ein Satz von Bedeutungen, mit denen ich meine innere und äußere Welt in ihren wechselseitigen Beziehungen zueinander geordnet habe.

Das ist spannend, ein Abenteuer zugleich: Herauskommt ein Patchwork von Bedeutungen, Sinnzuschreibungen und Erfahrungen, deren wirkliches Zusammenspiel mir insofern verborgen ist, als ich die jeweiligen Anschlüsse, die mein Denken an den einen oder anderen Diskurs findet, nicht immer hinterfragen oder gar ergründen kann. Ich kann lediglich beschreiben, wie ich die Dinge in mir und um mich herum sehe. Spurensuche mag man es nennen, vielleicht auch Lust und Frust bezüglich dessen, was sich nach einem längeren Leben als geistiges, vielleicht auch körperliches Kondensat, an einem nicht immer freie Sicht auf das möglicherweise noch Dahinterliegende freigebende Fenster niedergeschlagen hat.
Dabei ist mir stets bewusst, dass die Maxime „So sehe ich es“ immer nur ein vorläufiges, sehr fragiles Ergebnis meiner vielfältigen Interaktionen mit meiner Umwelt  darstellt, die mir die Perspektiven, die ich auf sie anlege, angeboten hat, aus denen ich jene ausgewählt habe, die mir irgendwie das Gefühl verleihen, dass meine Sicht auf die Dinge der Welt eine besondere ist.

 

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