„Was bin ich?“ hieß das legendäre Beruferaten in der ARD, das in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts Millionen vor dem Bildschirm bannte, zur besten Sendezeit, versteht sich, gleich nach der Tagesschau . Robert Lemke, der hornbebrillte Moderator, stellte dabei seinem Rateteam, wer war es noch gleich: ja, Anette von Aretin, Guido, der „Fuchs“, ein Staatsanwalt mit Glatze und Marianne Koch, einen Mann oder eine Frau vor, deren Beruf das Rateteam mit maximal zehn Fragen zu erraten hatte. Das Publikum waren die Besserwisser, denn sie erhielten nach dem „Gong“, Bild und Ton haben sich für immer in mir eingeprägt, mit einer Bildtafel eingeblendet, ob es sich um einen Schornsteinfeger, „Bananenbieger“ oder eine „Kaffeebohnenschlitzerin“  handelte. Mit einem schlichten Ja und Nein als Antwort mussten sich Anette, Guido, Marianne und der Staatsanwalt (wahrscheinlich komme ich noch auf seinen Namen) mit möglichst geschickten Fragen an die Wahrheit herantasten. Ein Nein – und schon wanderte ein rundes Fünf-Mark-Stück in die von Lemke „Schweinderl“ genannte Sparbüchse, die ganz vorne auf seinem Tisch neben dem Zahlenblock thronte, mit der er die Anzahl der jeweils gestellten Fragen bis zu einem Nein für alle sichtbar und mit großer Geste zählte. Am Ende zählte der Spaß am Spiel für alle Beteiligten, auch die Zuschauer. Und Kandidaten, deren Beruf nicht erraten wurde, konnten gerade mal 10 mal 5 „Schweinderl“-Fünfer als Trophäe ihrer im Spiel nicht enttarnten Berufsrolle mitnehmen. Und dann noch die Lüftung eines Geheimnisses, welches das Rateteam vor Beginn des Spiels vom Kandidaten vorgeführt bekommen hatten: Die typische Handbewegung. Eine Geste, die Guido, den „Fuchs“, und die anderen auf die richtige Spur bringen sollte, aber leider meistens nicht tat. Mehr zur Belustigung der Besserwisser vor den Fernsehapparaten inszeniert, war es aber immer interessant, wie sich eine komplexe Berufsrolle auf eine „typische Handbewegung“ reduzieren ließ.
Der Mensch ist, was er tut. So lautete wohl die Botschaft, die sich mir als kindlichem Zuschauer schon vermittelte, denn „Was bin ich?“ war schließlich Bildungs- und Unterhaltungsfernsehen zu für kindliche Gemüter schon etwas vorgerückter Stunde. Aber danach hieß es: Ab ins Bett!

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